Sammmlungsobjekt April 2016

Sammlungsobjekt April 2016
Wahlaufruf zum "Rheinisch-Deutschen-Nationalkonvent", ugs. "Mainzer Republik", Februar 1792.
78x32cm.
Mit dem eigenmächtigen Vorstoß des französischen Generals Adam-Philippe Custine und 19.000 Mann im September 1792 von Elsaß aus Richtung Norden gelang eine kurzzeitige Besetzung der heutigen Rheinpfalz, Rheinhessens, Mainz, Frankfurt, Taunus und Wetterau. Bereits Anfang Dezember 1792 musste sich Custine weitgehend wieder auf die linke Rheinseite zurückziehen. Im Juli 1793 kapitulierte Mainz als letzte von französischen Revolutionstruppen gehaltene deutsche Stadt.
Custine erhielt im Dezember 1792 den Befehl aus Paris, Wahlen in den besetzten Gebieten abzuhalten. Gewählt werden konnten jedoch nur Personen, die den Vorgaben der in Paris herrschenden Fraktion der Jakobiner folgten. In diesem Wahlplakat werden die Vorzüge einer nicht-aristokratischen, freien und gleichen Regierung erklärt. Tatsächlich war eine freie Meinungsäußerung und Vorschläge zur Verbesserung der Staatsverfassung in den besetzten Gebieten bereits ab Anfang November nicht mehr gewünscht und wurden mit Gefängnis oder "Exportation" geahndet. Die "Wahl"beteiligung betrug deshalb zB. in Speyer 0% und in Mainz etwa 4-6%. Der Konvent beschloss die "Exportation" aller Nichtwähler bzw. "Nichtschwörer", Verbringung der Männer in Arbeitslager in das Innere von Frankreich. Mindestens 3.000 Personen wurden nachweislich aus Mainz "exportiert", darunter die Judenschaft mit 700 Personen während des Pessachfestes und mit einer Vorankündigung der "Exportation" von fünf Stunden .
Das Plakat ist Teil der vermutlich umfangreichsten Sammlung zur "Mainzer Republik" als Depositum bei der Stiftung Historische Kommission für die Rheinlande 1789-1815.
